Portemonnaie gestohlen – Fakeprofil auf Facebook erstellt

Einer Bekannten stahl vor einiger Zeit jemand ihr Portemonnaie während einer Städtereise in eine europäische Großstadt. Neben Bargeld befanden sich darin viele Dokumente wie der Personalausweis, die Krankenkassen-Karte, die EC- und die Kreditkarte sowie etliche andere Karten wie die ÖPNV-Monatskarte oder ein Bibliotheksausweis. Besonders ärgerlich war die Tatsache, dass die Bekannte statt mit Shopping bzw. Museumsbesuchen ihre Urlaubszeit mit einer Strafanzeige bei der lokalen Polizei-Dienststelle verbringen musste – und dann auch noch das deutsche Konsulat aufsuchen musste. Denn ohne Ersatz-Ausweis war das Boarding für den Rückflug nicht möglich.

Bis dahin ist dieses eine Geschichte, die Touristen überall auf der Welt täglich passiert.

Einige Monate später saß die Bekannte mit einer Freundin zusammen. Man kam irgendwie auf ihren seltenen Namen zu sprechen und dass es bei Facebook jedoch eine zweite Person mit dem Namen gibt. Neugierig suchte die Freundin sofort nach dem Profil der Namensvetterin und stieß dabei auf ein weiteres Facebook-Profil meiner Bekannten. Das Profilbild zeigte dabei ein Foto, welches sie in ihrem Portemonnaie mit sich herum trug. Zudem enthielt dieses Fakeprofil ihren vollständigen Namen, inklusive ihres zweiten Vornamens – den sie im normalen Leben nie verwendet und den nur ganz wenige ihrer Freunde überhaupt kennen.

Auch alle weiteren Angaben auf dem Fakeprofil waren richtig, vom Beruf hin bis zum Geburtstag – mit einem Fehler. Ihr Fakeprofil zeigte als Hochschule die Universität Köln an – wobei Sie dort nie studiert hatte. Sie besaß jedoch einen Bibliotheksausweis der besagten Universität und dieser befand sich ebenfalls in ihrem gestohlenen Portemonnaie.

Was wollen nun die Kriminellen damit bezwecken?

In ihrem Fall nutzte der Dieb ihre Ausweise dazu, bei einem großen Email-Anbieter ein professionelles DE-Mail Konto zu erstellen. Mit einem DE-Mail Account lässt sich u.a. sichere, verifizierte und vertrauliche Kommunikation durchführen. Man muss in diesem Zusammenhang wissen, dass meine Bekannte Rechtsanwältin ist, dies ging übrigens aus ihren Visitenkarten im Portemonnaie hervor.

Das ist übrigens herausgekommen, nachdem meine Bekannte vom Anbieter Mahnungen bekommen hat.

Ein Facebook Account gilt zudem heute schon als eine Art digitaler Identitätsnachweis, womit der Täter ohne weiteres in das soziale Netzwerk des Opfers eindringen kann und zum Beispiel so Kontakte zu Klienten der Juristen herstellen kann – insbesondere wenn alle Angaben im Profil akkurat und authentisch sind.

Auch wenn solch ein Identitätsdiebstahl nach Portemonnaie-Klau eher eine Ausnahme ist, so sollte man vielleicht doch künftig nach so einem Vorfall eine Zeitlang die sozialen Medien im Auge behalten. Sollte euch das Portemonnaie gestohlen werden – oder Ihr es doch „nur“ einfach verlieren – dann gibt es unter der Rufnummer 116 116 den Rund um die Uhr besetzen Sperr-Notruf. Die Nummer ist unter +49 116 116, sie ist auch aus dem Ausland erreichbar. Zusätzlich empfehlen wir Internetnutzern, bei Fällen von Identitätsdiebstahl im Internet eine Strafanzeige zu stellen. Das ist übrigens in den meisten Bundesländern auch online möglich.

Das Fakeprofil wurde von Facebook innerhalb weniger Stunden nach Meldung meiner Bekannten abgeschaltet. Der DE-Mail Account wurde aufgrund nicht bezahlter Rechnungen automatisch gelöscht. Ob weiterer Schaden entstanden ist, ist auch ein halbes Jahr nach dem Diebstahl nicht bekannt. Zufällig ist das Portemonnaie vor wenigen Wochen und etwa fünf Monate nach dem Diebstahl in Süddeutschland aufgetaucht – wie es dorthin gekommen ist, bleibt ein Rätsel. Denn gestohlen wurde ihr das Portemonnaie in einer südeuropäischen Metropole. Es ist jedoch offensichtlich, dass der Täter einen Bezug zu Deutschland hat, allein dafür spricht das Einrichten eines DE-Mail Accounts.

Wer glaubt, dass Identitätsdiebstahl bei Facebook ein Einzelfall ist, den möchten wir auf einen besonders gravierenden Fall von Identitätsdiebstahl auf Facebook im Jahr 2012 hinweisen. Wahrscheinlich hat ein ausländischer Geheimdienst ein Fakeprofil eines sehr hohen NATO-Admirals erstellt, der selbst nicht auf Facebook aktiv war.

Mit der Zeit waren viele wichtige und ranghohe NATO-Offiziere rund um die Welt mit dem „Admiral“ befreundet und der feindliche Geheimdienst ein gut vernetzter Facebook-Freund der Führungsriege der NATO.

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