Geheime Überwachungssoftware in beliebten Android-Apps

Sicherheitsforscher haben 44 Tracker in mehr als 300 Apps für das Betriebssystem Android identifiziert.

Forscher des Yale Privacy Labs und Experten von Exodus Privacy haben festgestellt, dass in zahlreichen beliebten Android Apps die verschiedensten Tracker versteckt sind. Die analysieren unter anderem das Verhalten der Anwender, verfolgen den Standort nach und sammeln viele weitere Informationen zum Nutzer. Zu den Apps mit Trackern gehören beispielsweise Uber, Zunder, Skype, Twitter, Spotify, Snapchat, Zunder, OkCupid, Wetter-, Taschenlampen-, Mitfahr- und Dating-Apps und viel andere mehr. Da viele dieser Apps auch auf iOS Anwendung finden, gehen die Experten davon aus, dass auch auf dieser Plattform Daten gesammelt werden.

Exodus erkennt mehr als 300 Apps mit Trackingfunktionen:

Bild: reports.exodus-privacy.eu.org – Apps mit integrierten Tracker

Die Tracker laufen im Hintergrund der Smartphones und sammeln alle möglichen Informationen. Die Experten sprechen sogar von “geheimer Überwachungssoftware”, die aktiv ist, ohne dass der Benutzer in der Regel darüber Bescheid weiß. Einige Apps verfügen sogar über eigene Analyseplattformen, enthalten zudem aber auch andere Tracker. Zum Beispiel verwendet Tinder insgesamt fünf Tracker zusätzlich zu seinen eigenen.

Laut Intercept geben die meisten Apps schon irgendwo in ihrem Kleingedruckten (Datenschutzrichtlinien oder Nutzungsbedingungen) an, das Tracker eingesetzt werden. Dennoch ist das für Nutzer nicht ausreichend einsehbar bzw. dokumentiert, geschweige denn, dass der Nutzer den Tracker ohne Probleme stoppen bzw. Einfluss auf die vom Tracker gesammelten Daten nehmen kann.

“Wie viele Leute wissen eigentlich, dass Tracker überhaupt da sind?”, fragt Michael Kwet, Gast im Yale Privacy Lab.

Aus einem Pool von ca. 3,3 Millionen Apps konnten die Sicherheitsforscher von Exodus mit einer speziellen Software mindestens 44 verschiedene Tracker in mehr als 300 Android-Apps erkennbar machen.

Der Mangel an Transparenz beim Sammeln, Senden und Verarbeiten von Nutzerdaten durch die Tracker ist ein Grund, sich ernsthaft Gedanken über Datenschutz zu machen. Zudem spielen hierbei Konsequenzen für die Sicherheit eine große Rolle, da Milliarden von Menschen die Apps heruntergeladen und verwenden. So geben die Experten an, dass eine ganze Branche auf der Erhebung von Daten über Tracker basiert und das Apps, die zwar im Moment “sauber” erscheinen, natürlich auch Tracker enthalten können, die evtl. über unbekannte “unseriöse” Drittanbieter integriert werden könnten.

Aufruf: Sowohl App-Entwickler als auch Google sind aufgefordert, mehr Transparenz hinsichtlich Verwendung von Trackern zu schaffen. Android-Nutzer und Nutzer aller App-Stores benötigen eine zuverlässige Kette aus Softwareentwicklung, Verteilung und Installation, die keinen unbekannten oder versteckten Code von Drittanbietern enthält.