Risiken beim Handy-Kauf aus Fernost

Vielen Usern ist der Kauf eines Premium-Markengeräts wie eines iPhone oder eines Samsung Galaxy zu kostspielig, dennoch möchten die meisten trotzdem ein hochwertiges oder zumindest vorgeblich hochwertig erscheinendes Gerät ihr Eigen nennen. Dabei muss ein neues Smartphone oder Tablet nicht unerschwinglich sein – solche Geräte werden mittlerweile im Internet an den verschiedensten Quellen günstig angeboten. Eine Alternative bietet sich indem man den Blick nach Fernost schweifen lässt, bieten doch gerade chinesische Firmen Smartphones zu teilweise unglaublich günstigen Preisen an.

Jedoch kommt eine Direktbestellung aus Asien mit vielen Risiken einher und bietet dem Käufer zahlreiche Fallen – angefangen bei Zollvorschriften bis hin zu der Frage: Bekomme ich das, was ich bestellt habe, geliefert und wer haftet im Garantiefall?

Dass Garantieansprüche im Zweifelsfall gegen einen solchen Händler schwer bis unmöglich durchzusetzen sind, erscheint einleuchtend. Schließlich sind z.B. China und der deutsche Verbraucherschutz weit weg und das gezahlte Geld liegt erst mal beim Händler.

Die großen Verkaufsportale, bei denen man solche Angebote findet, bieten nur eingeschränkte Sicherheit und Käuferschutz. Meist treten die Web-Shops nur als Logistik-Dienstleister und Verkaufsplattform auf und haben somit mit dem eigentlichen Vertragsschluss zwischen Händler und Kunden nichts zu tun. Im Falle des Falles kann man dem Kunden also nur ein gutes Nervenkostüm und viel Glück wünschen.

Des Weiteren sind beim Import zollrechtliche Vorschriften zu beachten.

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Zwar bieten viele asiatische Händler den Versand als “Geschenk” an oder weisen einen niedrigeren Preis aus. Bleibt die Ware aber beim Zollamt “hängen”, so verlangt dieses eine Rechnung und den Zahlungsnachweis. Dadurch kann das vermeintliche Schnäppchen erstaunlich teuer werden, erhebt der Zoll doch ab einem gewissen Wert Einfuhrumsatzsteuer und je nach Art der Ware weitere Zollgebühren. Genauere Informationen und eine Aufschlüsselung der Gebühren findet man auf den Seiten des Zolls oder in der kürzlich vom Bundesminsterium der Finanzen vorgestellten App “Zoll und Post”.

Ein weiteres Risiko ist das Gerät selbst. Immer wieder hört man von Handy und Tablet-Schnäppchen, die mit bereits vorinstallierter Malware ausgeliefert werden. Oftmals sind hier bereits Keylogger oder SMS-verschickende Software installiert, welche sich nur schwer entfernen lässt.

HandyGerade in bereits vorinstallierten Anwendungen verbirgt sich immer häufiger Malware.  Die Malware späht den ahnungslosen User aus und greift z.B. beim Online-Banking die Nutzerdaten ab, sie kann aber auch durch die versteckte Anwahl von Premium SMS Nummern einen spürbaren finanziellen Schaden anrichten.

Teilweise sind diese Schädlinge mit Administrator-Rechten versehen und so tief im System verankert, dass sie nicht zu löschen sind. Auch wurden mehrere Fälle bekannt, in denen (meist hervorragend gefälschte Geräte) mit Schadsoftware in der Firmware ausgeliefert wurden. So berichten User, dass sie ein vermeintliches iPhone erworben haben, bei dem sogar das iOS dem Orginal-Design von Apple im Android angepasst worden war.

In bekannten Android-Hilfeforen findet man Berichte und Anleitungen, wie man solche Geräte von der vorinstallierten Software befreien kann – was teilweise einiges an Fachwissen um das Android System voraussetzt. Sind solche Schadprogramme schon schwer genug zu entdecken, wenn sie sich in vorinstallierten Apps verbergen, so wird es ungleich schwerer, diese zu finden und zu deinstallieren, wenn sie sich im Systemordner verankert haben.

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Rootchecker, Quelle; Google-Playsore

Dort hat man als “normaler” User keinen Zugriff und muss sein Gerät rooten, um überhaupt auf diese Ordner und Systemeinstellungen zugreifen zu können. Hier können allerdings Softwaretools helfen, welche feststellen, ob das Gerät bereits gerootet ist, oder Schadsoftware vorinstalliert ist.  Die App “Root Checker” kann feststellen, ob Ihr Gerät gereits gerootet ist – sollte dies im Auslieferungszustand der Fall sein, so liegt der Verdacht nahe, dass das Gerät bei der Auslieferung bzw. auf dem Weg zum Kunden manipuliert wurde. Abgesehen davon, dass es sich stets empfiehlt eine Antivirenlösung auch auf Androidgeräten einzusetzen, so sollte man bei dem Eigenimport solcher Geräte auf Nummer sicher gehen und dieses vor Nutzung eingehend untersuchen.   Hierzu bieten sich neben dem erwähnten Test auf die Root-Rechte auch die Tools Malwarebytes Anti-Malware oder Conan Mobile an, welche den Status des Gerätes und der verwendeten Software eingehend untersuchen können, Tools wie Ad-Network Scanner & Detector testen Ihr Gerät auf das Vorhandensein von Software mit eingebaute Werbemodulen, die sich in Werbenetze einwählt und Werbung im Hintergrund auf Ihr Gerät herunterlädt. Dabei werden Applikationen, die werbefinanziert sind, nicht moniert.

Es stellt sich die Frage, ob die mögliche Ersparnis gegenüber Markengeräten die potentiellen Nachteile überwiegt. Bei einem Preis von teilweise unter 100 Euro für ein 5,5´Gerät mit LTE, 2 bis 3 GB Arbeitsspeicher und mehr als 16 GB ROM muss die Frage nach der Qualität und Herkunft der verbauten Teile gestattet sein. Hier wird mit teilweise nicht vorhandenen Merkmalen geworben, die ein Kunde nur schwer kontrollieren kann. So findet sich die Bezeichnung manches Kamerasensors nicht in offiziellen Lieferlisten, es fehlt oft das wichtige LTE Band 20 oder andere Eigenschaften des Gerätes sind nicht so, wie beschrieben. Hier wird das Schnäppchen schnell zur Qual, wenn der verbaute Grafik- oder Hauptprozessor den Anforderungen moderner Software nicht mehr genügt.

Fazit: Beim Kauf von Geräten direkt aus Asien lässt sich eine Menge Geld sparen, jedoch sollte man beim Kauf vorsichtig sein und stets ein gewisses Risiko mit einkalkulieren, da der deutsche Verbraucherschutz selten greift.

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Conan mobile

Wir empfehlen deshalb solche Geräte nur von bekannten und etablierten Händlern zu kaufen. Ein wichtiges Merkmal sind die Bewertungen des Händlers auf der jeweiligen Plattform, dort gilt es vor allem sich die negativen Bewertungen anzuschauen. Bei einem Anbieter mit wenigen (positiven) oder gar keinen Bewertungen sollten Sie vorsichtig sein. Wir raten zudem auch mittels einer Suchmaschine nach weiteren Erfahrungsberichten über diesen Händler auf anderen Verkaufsplattformen zu suchen und diese zu prüfen. Unproblematisch sind meist Anbieter, die über eine Vielzahl von postiven Bewertungen von verifizierten Nutzern über einen längerne Zeitraum erhalten haben. Sobald Sie Ihr neues Gerät erhalten haben, raten wir dazu, umgehend eine Antivirenlösung zu installieren und auch die zusätzlichen Tools zum Testen des Gerätes einzusetzen, bevor Sie Ihre persönlichen Daten und ähnliches auf diesem Gerät eingeben. Achten Sie auch bei dem Gerät darauf, ob die Siegel des Geräts oder der Verpackung beschädigt oder zum Beispiel Schraubenzieherspuren an den Gehäuse befinden. Dieses sollte Sie zumindest skeptisch machen. Grundsätzlich lässt sich diesen Geräten auch eine Neuinstallation von Android durchführen, welche vorinstallierte und schadhafte Apps in vielen Fällen direkt entfernt. Wirklich vertrauen kann man dem Gerät allerdings nicht mehr – zu gross ist die Gefahr so tiefgreifender Modifikationen, als dass man solche Geräte noch guten Gewissens zum Einsatz sicherheitskritischer Anwendungen, wie z.B. Homebanking empfehlen könnte.

Weitere hilfreiche Tipps, auch zur Entfernung von Schadsoftware, finden Sie dazu in unserem Blog

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